Tschernobyl ist nicht vorbei!

Auch in diesem Jahr, wie im Jahr zuvor fand das Treffen in einer Jugendherberge in Fulda statt. Die Vernetzung der Initiativen der BAG »Den Kindern von Tschernobyl«, die einst über 250 Gruppen in ganz Deutschland vereinigte, ist in 28 Jahren deutlich grobmaschiger geworden.

Rudolf Düber aus Betzdorf,ein langjähriger aktiver Mitstreiter, wurde vor drei Jahren zum Initiator der weiteren Treffen des Forums, nachdem die BAG »Den Kindern von Tschernobyl in Deutschland« e.V. unter dem Vorsitz von Burkhard Homeyer aus Münster ihren juristischen Status abgelegt hatte. Der Geschäftsführer der Caritas in Betzdorf, der über 25 Jahre Projekte mit Kindern und Jugendlichen aus Belarus durchführte, übernahm auch in diesem Jahr die Vorbereitung und Moderation des Treffens. 24 Vertreter der Vereine aus Sachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg , Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin sowie die Gäste aus der Partnerorganisation »Freude den Kindern« aus Belarus kamen am Samstag, dem 10.03.2018 zusammen. Leider hat die Grippewelle neun angemeldete Personen aus NRW verhindert , sich diesmal dem Forum anzuschließen. Das haben die Beteiligten sehr bedauert.

Von der Katastrophe zum Garten der Hoffnung

Unter dem Motto »Der Tschernobylweg. Von der Katastrophe zum Garten der Hoffnung« berichteten die TeilnehmerInnen, warum sie das Engagement für die Kinder von Tschernobyl schon seit vielen Jahren bewegt. Über ihre persönliche Motivation und Haltung durch »Lebendigkeit«, nicht durch die »Uniformität«, über Enttäuschungen und Hoffnung, über Mut und Ängste, über Witz und Kreativität bei der Überwindung immer neuer sich aufstapelnden Hürden.

Besonders wertvoll war die Erkenntnis von allen, die wahren Experten im Bereich »Humanitäre Zusammenarbeit« geworden zu sein. Beate und Frowin Junker(Leonberg), Georg Tietzen(Kamenz), Weronika Reuschenbach (Zürich), Rudolf Düber (Betzdorf), Irina Gruschewaja (Berlin-Minsk) gehörten zu den Menschen der ersten Stunde der Entstehung der Tschernobyl-Bewegung, und ihre Geschichten waren sehr vielfältig, persönlich und engagiert. Sie betrafen die Aspekte der Selbsthilfe, der Eigeninitiative bei dem Aufbau der Projekte und der Jugendarbeit, der offenen zivilen Gesellschaft, der Demokratie, wozu sie maßgeblich in den Zeiten des Werdegangs der Tschernobylbewegung beigetragen haben. Es war sozusagen der historische Aspekt.

Aktuelle Schwierigkeiten mit den Belarussischen Behörden

Christel und Hans-Peter Weißenfels, Ingrid Schmidt aus Neuwied, Peter Graf aus Zürich , Frank Löhnert aus Kamenz, die Gäste aus Minsk, die sich alle nach wie vor aktiv mit den konkreten Aufgaben beschäftigen, berichteten eher über die aktuellen Schwierigkeiten auf der belarussischen Seite, über ihre erfolgreiche und sehr inspirierende Arbeit vor Ort.

Das Ehepaar Gold aus Offenburg, Vertreter der Initiative »Umweltschutz Offenburg« e.V., Gisela Schmidt-Wiesbernd aus Berlin, einige anwesende Ehepartner der Beteiligten diskutierten interessiert mit, über die neuen Regelungen über die Ausreise der Tschernobyl-Kinder , die erst am Vorabend vom Bildungsministerium in Minsk mündlich bekanntgegeben wurden.

Das belarussische Bildungsministerium hat kurzfristig angeordnet, dass alle Kinder am letzten und ersten Schultag, also dem 31. Mai und 1. September, in der Schule sein müssen. Der Grund: Am 31. Mai findet dieses Jahr erstmals ein republikanisches Fest des letzten Klingelns statt. Alle müssen dabei sein.

Waisenkinder müssen schon am 15. August wegen der Verteilung der Schulbücher wieder im Land sein.

Diese neuen Regelungen stellen einige Gruppen, die die Kinder nur vom Ende Mai oder bis Anfang September einladen können, vor Probleme. So wurden unter anderem in der Schweiz schon Aufenthalte ab Mitte Mai vorbereitet, inklusive bereits gebuchter Flüge.

Erholungsreisen nach wie vor sehr wichtig!

Alle waren sich einig, man muss sich um eine Lösung bemühen. Jedoch ist nicht absehbar, welche Konsequenzen und weiteren Folgen diese neuerlichen Einschränkungen haben. Seit zwei Jahrzehnten werden Maßnahmen getroffen, die die Tschernobyl-Initiativen in ihrer Arbeit enorm behindern durch unzählige Einschränkungen, bürokratische Kontroll-und Genehmigungsakte etc. Das führte unter anderem dazu, dass viele Gruppen keine Kinder mehr einladen und sich auflösen. Gleichzeitig wird es vielerorts immer schwerer, Gasteltern und -familien zu finden.

Dabei sind diese Erholungsaufenthalte nach wie vor für die Kinder und ihre Familien lebensnotwendig. Für ihre Gesundheit und auch das seelische Wohlbefinden. Deshalb beschloss das Forum der BAG »Den Kindern von Tschernobyl«, Material und schließlich eine Broschüre zu erarbeiten, die aus Sicht verschiedener Beteiligter erklären, warum diese Erholung auch heute noch, 32 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl, wichtig ist. Es sollen DolmetscherInnen, Ärzte, BetreuerInnen, Eltern belarussischer Kinder und Gasteltern, einstige und heutige Tschernobyl-Kinder sowie Wissenschaftler zu Wort kommen. Fakten und persönliche Erfahrungen werden sich ergänzen. Erste Berichte wurden bereits zusammengetragen.

Lesungen zu Belarus

Einen besonderen Punkt des Programms stellte die Lesung von Heike Sabel dar, die aus ihrem Buch »Wsjo budet chorocho« einige Kapitel vorlas. Es ist ihr 3. Buch über Belarus und seine Menschen. Als Zeitungsredakteurin, Journalistin und Vorsitzende des Vereins für die Kinder von Tschernobyl »Gemeinsam in die Zukunft« e.V. in Pirna, weiß sie gut Bescheid über das Leben der Menschen auch in der sogenannten Zone. Ergreifend und rührend schilderte sie die einzelnen Schicksale der betroffenen Menschen, ihren Tschernobyl-Weg, den sie selbst seit 20 Jahren mitgeht.

Nadine Laschuk aus Mülheim/Ruhr, Vertreterin der Initiative Tschernobyl-Kinder e.V., die ihr Buch »Liebesgrüße aus Minsk« vorstellen wollte, war leider verhindert. Ihre Lesung findet im nächsten Jahr im 4.Forum statt.

4. Forum 2019 in Neuwied

Nach der gemeinsamen Entscheidung 2017 in Fulda erfolgt die Einladung zu jedem nächsten Forumstreffen ab 2019 durch jeweilige Mitgliedsinitiative des Forums. (Die Beteiligung bedeutet die Mitgliedschaft.) Das nächste Treffen findet im März 2019 in Neuwied am Rhein auf die Einladung von »Freu(n)de für Belarus« e.V. statt.

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