Mikalai Chalezin: „EU-Sanktionen sehen nach einem Spott aus“

 

Auf der offiziellen Website der EU heißt es: "...Diese Sanktionen richten sich gegen hochrangige Beamte, die für die andauernde gewaltsame Unterdrückung und Einschüchterung  von friedlichen Demonstranten, Oppositionellen und Journalisten verantwortlich sind. Sie erfassen auch Wirtschaftsakteure, prominente Geschäftsleute und Unternehmen, die vom Lukaschenko-Regime profitieren und / oder es unterstützen". Erstmals sind auch Staatschef Lukaschenko nahestehende Unternehmer und Firmen betroffen.

Der Art-Direktor des belarussischen Freien Theaters, Geschäftsführender Direktor des Creative Politics Hub Mikalai Chalezin, war einer derjenigen, die sich aktiv für eine Sanktionsliste gegen Alexander Lukaschenko in der Europäischen Union eingesetzt hatten. Chalezin ist verärgert über den letzten dritten Sanktionsblock, den die EU am 17. Dezember verabschiedet hat, sagte er gegenüber der belarussischen Zeitung "Nasha Niva". 

„Für mich sieht es nach Spott aus. Das Schrecklichste ist, dass eine große Anzahl von Menschen an diesen Fällen gearbeitet hat - Journalisten, Ermittler, Angestellte verschiedener Geheimdienste. Viele Menschen haben daran gearbeitet, der Europäischen Union die vollständigste Liste zur Verfügung zu stellen.

Es gab mehr als hundert Richter in dieser Liste mit einer detaillierten Beschreibung ihrer Handlungen, viel mehr als hundert Strafverfolgungsbeamte. Und wenn wir über "Brieftaschen“ sprechen, wurden Fälle von jedem präsentiert, der mit der Familie Lukaschenko zusammenarbeitet - es sind ein paar Dutzend Namen. Dies sind die umfangreichsten Fälle mit detaillierten Informationen zu Unternehmen, die in verschiedenen Ländern der Welt registriert sind. Alle Informationen sind aus offiziellen Registern bis hin zu den Begünstigten von Unternehmen.

Als Ergebnis haben wir eine Liste gesehen, die nach einem völlig unverständlichen Schema zusammengestellt wurde. Es ist klar, dass man von überall ein wenig genommen hat, aber die Leute, die die endgültige Liste erstellt haben, haben keine Ahnung, wie das System in Belarus organisiert ist und wie Belarus im Allgemeinen lebt. Sie verstehen nicht einmal das Wesentliche des Sanktionsprozesses. Manchmal bräuchte man nicht einmal eine große Menge auf die Liste zu bringen, aber man müsste ganze Segmente einfrieren. Zum Beispiel wurde Nikolaj Vorobej in die Listen aufgenommen, aber es macht absolut keinen Sinn. Wenn wir über die Firma "Bremen Group" (Anm.: Business brokers) sprechen, die das Recht erhalten hat, Geld für den Transit zu sammeln, dann gibt es drei Geschäftsleute - Saitsev, Vorobej, Aleksin. Als Ergebnis dieser Ignoranz wird nur eine Person in die Listen aufgenommen. Das heißt, die Arbeit wird nicht aufhören.

Oder was bringt es, Alexander Shakutin auf die Liste zu setzen? Die Anzahl seiner Unternehmen in der jetzigen Form wird keinen Gewinn bringen, da der Staat jetzt in eine Zone solcher Turbulenzen gerät, dass es schwierig sein wird, High-Tech-Geschäfte zu betreiben. Es geht um Geld, das sich um die "Familie" dreht. Es ist die Überweisung öffentlicher Gelder in eine private Tasche. Wir können hier über Pharmakologie, das Zigarettengeschäft, den Öl- und Kaliumhandel sprechen.

Es ist einfach lächerlich für mich, was die Europäische Union getan hat. Der Berg brachte eine Maus zur Welt. Niemand wird darunter leiden, nur vielleicht Frau Katschanawa ( Anm.: Seit Dezember 2019 - Vorsitzende der Nationalversammlung  der Republik Belarus)  nicht nach Nizza reisen kann. Aber das reicht mir nicht! Ich weiß, dass sie für größere Sünden verantwortlich ist. Wir haben alle Fälle und werden überlegen, was wir damit machen sollen. Es gibt eine Möglichkeit, diese Information zu veröffentlichen, es gibt  auch die Variante, alles an die großen internationalen Gruppen zu der Untersuchung zu übergeben oder einfach aufzuhören. Aber letztere wollen wir nicht. Dies ist schließlich nicht unser Geschäft, sondern das Geschäft des belarussischen Volkes. Höchstwahrscheinlich war es eine Arbeit der Lobbyisten von Putin und Lukaschenka.

Und dies ist keine klassische politische Lobbyarbeit, sondern im Gefängnisjargon "Rattentum“. Eine Ratte hat absichtlich alle Namen der Subjekte entfernt, die Lukaschenka Schaden zufügen könnten. Sie wurden alle entfernt!Einer  von ihnen, Alexin, wurde im letzten Moment durchgestrichen, einfach mit einem Stift, als  sich alle schon geeinigt hatten.

Eine sehr seltsame Geschichte. Und es scheint mir, dass wir innerhalb der EU herausfinden müssen, wer so effektiv daran gearbeitet hat. Ich glaube, dass Mashensky (Anm.: ein belarusisscher Geschäftsmann) nicht auf der Sanktionsliste stand, weil er mit Lukaschenko und Putin in Sotschi Ski gefahren ist. Bei Mashensky ist  aber der Fall mit all seinen Abenteuern groß. Aber wenn man Ski fahren geht, kommt man natürlich nicht auf die Sanktionsliste. Tatsache ist, dass 300 bis 500 russische Unternehmen, die mit belarusischen zusammenarbeiten, unter solchen Sanktionen leiden würden, weshalb russische Lobbyisten sehr  fleißig arbeiteten. Es ist alles durchgestrichen!Der Einfluss von Lawrow und Putin ist sicherlich da.

 Man versichert uns, dass sie doch später auf der vierten Liste stehen werden. Aber ich verstehe, dass Lobbyisten andererseits auch funktionieren und ihre Argumente vorbringen werden. Jetzt verstehen wir nicht ganz, was als nächstes zu tun ist, und dies ist darauf zurückzuführen, dass wir nicht verstehen, was in der Europäischen Union geschieht".

Bildquelle: Mikalai Chalezin, Facebook

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