Tschernobyl besser verstehen

Das Buch „Der Tschernobyl-Weg“ besteht aus zahlreichen Interviews und Monologen mit den Gleichgesinnten und Mitstreitern der Stiftung von Gennadij Gruschewoj. Wie ein roter Faden zieht sich durch das ganze Buch die Erzählung von Irina Gruschewaja, der Mitbegründerin der Stiftung, über die Entstehung und den Werdegang  der ersten Bürgerinitiative in Belarus, über die Höhen und Tiefen der internationalen humanitären Zusammenarbeit, über die Menschen, deren Schicksal durch Tschernobyl geprägt und sogar bestimmt wurde.

In diesem Zeitdokument geht es nicht nur um die Opfer und die Schäden der Katastrophe, sondern darum, wie die Menschen in Belarus aus eigener Kraft die Folgen von Tschernobyl versuchten zu bewältigen.

Wir möchten einige Kapitel aus diesem Buch hier nach und nach vorstellen. Sie  sollen Einblicke in die  Geschichte jener Zeit, in die Handlungen und die Gedankenwelt der Teilnehmer*innen der internationalen Tschernobyl-Bewegung geben und helfen, Tschernobyl besser zu begreifen.

Swetlana Alexijewitsch (Nobelpreisträgerin in Literatur 2015, Autorin des Buches "Tschernobyl, eine Chronik der Zukunft"):

„Damals gab es sehr wenige, die sich das wahre Ausmaß der Katastrophe vorstellen können. Tschernobyl war geschehen, wir waren aber alle noch „Menschen aus der Zeit von Tschernobyl“. Unsere Ängste stammten noch aus der Zeit vor Tschernobyl. Die Katastrophe wurde mit dem Krieg verglichen - damals war es das schlimmste Entsetzen, etwas anderes kam nicht in den Kopf. Aus der Zeit vor Tschernobyl stammten unsere Vorstellungen darüber, wie man damit leben kann.

Ich habe in jenen Tagen mit vielen Menschen gesprochen und erinnere mich, dass ich den Eindruck einer totalen Stummheit bekam. Eine Unfähigkeit, das Geschehene zu beurteilen. Militärtechnik zog nach Tschernobyl, und aus der Tschernobylzone bewegten sich Buskaravanen mit sprachlosen Menschen. Wie ein Mantra wiederholten alle: „Ich habe nie etwas darüber gelesen“, „Niemand sprach darüber“, „Nie gesehen“.

[...] Ich denke, dass die Stiftung „Den Kindern von Tschernobyl“ e.V. die Kinder zweifach rettete: Sie sorgte nicht nur für die Behandlung, sondern sie eröffnete ihnen auch die Welt“.

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